Gegen sein ist nicht schwer
Ich bin gegen Atomkraft, bin gegen Stuttgart 21, bin für Umweltschutz, für alternative Energie. Bin ich deshalb grün — angeblich schon. Nur ist das ziemlich einfach. Ich bin auch gegen Mord, Vergewaltigung, Frauenfeindlichkeit, Unrecht, Steuerhinterziehung, Mobbing, Langsamläufer und Rechtsüberholer. Was soll ich jetzt wählen, die Engelspartei? Eine Position gegen offensichtlich "böse" Vorgehensweisen anzunehmen ist zu einfach, wenn die Alternativen zur direkten Lösung eines dieser Probleme verschwiegen oder nicht wirklich konkretisiert werden. Da fehlt genau die Präzision, die der Koalition bei ihren Problemlösungen vorgeworfen wird.
Es ist einfach zu leicht zu sagen, dass "etwas scheisse" ist. Um im Beispiel Atomkraftausstieg zu bleiben: frag doch mal eine(n) Norddeutsche(n), wie sie/er dazu steht aus ihrem Wohnzimmerfenster noch mehr Windräder zu sehen? "Ja, setzt die halt ins Meer" schreit’s da von Dächern, da müssen sich — gerade die Grünen — eine Missachtung ihrer Prinzipien vorwerfen lassen, da die Fundamente im Wasser für Bullshit bei die Fische sorgen… So auch bei Pumpkraftwerken in bergigen Landen, die die Wälder bebullshitten, um nur zwei Beispiele aufzuführen. Die meisten von uns wollen grüne Technologie zur Energiegewinnung, mit einem Abstrich: nicht vor der eigenen Haustür. Nur ist das der Preis, den wir eingehen müssen. Einige von uns, aber eben nicht alle.
Also ist auch in diesem Thema wieder für Ungerechtigkeit gesorgt.
Was da helfen könnte, ist gescheite Aufklärung. "Wir sind das Volk" hat eben auch andere Facetten als den Ost-West-Scheiss, mit dem ich immer noch vollgeballert werde (dazu muss noch ein Post folgen).
Gepostet am 29.03.2011 um 22:00