Juri Adler-Olsen: Erbarmen
Der in Episoden gehaltene, in Dänemark spielende Kriminalroman von Juri Adler-Olsen erzählt abwechselnd von dem Schicksal seines Protagonisten, Vizekriminalkommissar Carl Mørck, sowie dem des (nicht einzigen, aber wichtigsten) Opfers Merete Lynggaard. Die Vorgeschichte beider wird beleuchtet und bringt dem Leser nicht nur beide Figuren, sondern auch den Grund des Verbrechens ungewöhnlich nah.
Mørck, ein in die Jahre gekommener, teils verbitterter Kommissar, hat ein einschneidenes Erlebnis hinter sich: in kurzer Vergangheit zum Einstieg in den Roman wurde Mørck bei einem Einsatz schwer am Knie verletzt und verlor darüber hinaus ein Kollegen durch eine tötliche Schusswunde, und einen ans Krankenbett — einer Querschnittslähmung wegen.
Merete verlor in ihrer Kindheit in Folge eines Unfalls beide Elternteile. Sie und ihr Bruder erlitten Verletzungen, die ihren Bruder lebenslang geistig beeinträchtigen. Sie ist eine bemerkenswert engagierte und kompetente Politikerin, kümmert sich rührend um ihren Bruder, mit dem sie zusammen lebt, dem sie alle Freizeit widmet und vernachlässigt darüber ihr Dasein als ledige Frau.
Der Roman lebt im weiteren Verlauf von zwei Zweierbeziehungen, die sich auftun: zum einen Mørck, der nach seiner Genesung eine neue Abteilung leitet und in Assad, einer arabischen-scheinenden Putzkraft, zunächst einen Kollegen, später einen Freund sieht; zum anderen zwischen Merete und ihren Entführern, die sie über Jahre hinweg in einer Druckkammer gefangen halten.
Adler-Olsen's »Erbarmen« ist kein »in einer regnerischen, nebligen Nacht«-Krimi, sondern einer der mit Themen wie Selbstverwirklichung von Frauen, Rätseln, Psychopathen, Traumata, Rassismus, Medienschelte eine krass dichte Atmosphäre schafft, die einen bis zum Schluss fesselt und auf nächste Fälle des ungleichen Ermittlerduos Mørck und Assad freuen lässt.
Gepostet am 30.04.2011 um 20:11